Wir sind eine ganz normale Familie, mit langer Hundeerfahrung. Wir sind keine Hundeprofis oder gar Hundeflüsterer. Wir geben hier nur unsere Erfahrungen preis. Vielleicht hilft ja der eine oder andere Tipp anderen Aussie- Besitzern.

Sehr oft werden Aussies als familienfreundliche, leicht zu erziehende und nicht jagende Hunde angepriesen. Auch liest man immer wieder, dass der Aussie ein „Bordercollie light“ ist. Diese Aussagen sind nicht falsch, aber so auch nicht richtig.

Grundsätzlich ist der Aussie ein Arbeitshund, auch wenn er aus einer Showlinie stammt. Er ist es gewohnt, seine Arbeiten eigenständig zu erledigen. Da die wenigsten Aussie-Besitzer ihrem Hund eine Rinder- oder Schafherde zum Hüten bereitstellen können, sollte der Aussie eine ausreichend auslastende Ersatzbeschäftigung bekommen. Hierbei ist die geistige Auslastung genauso wichtig, wie die körperliche Auslastung. Ein ausgelasteter Aussie ist ein prima Familienhund, ein nicht ausgelasteter Aussie kann zur Katastrophe werden.

Was heißt das genau?
Nun, es bringt nicht besonders viel, mit seinem Aussie ausgiebige Radtouren zu unternehmen, um ihn auszulasten. Der Erfolg wird anders ausfallen als erhofft. Man bekommt ein Powerpaket mit schier unendlicher Kondition.
Unser Aussie geht am Tag ca. 2,5 Stunden Gassi. Meistens läuft er frei im Wald. Bei jedem Spaziergang legen wir ein 10 bis 15 minütiges Kopftraining ein. Das sind im Wesentlichen Übungen zur Unterordnung, Übungen aus dem Apportieren, aber auch Spaßübungen. Darüber hinaus spielen wir bei jedem Spaziergang mit dem Hund. Dadurch machen wir uns immer wieder interessant und Snickers kommt nicht auf die Idee, sich selbst eine aufregende Beschäftigung zu suchen. Dazu kommt noch eine Stunde Arbeit in der Hundeschule pro Woche.
   
Neben der Action braucht der Aussie Ruhe. Er ist ein Energiebündel, immer einsatzfähig, auch nach dem Joggen. Deshalb braucht der Aussie dringend Zeit um „runter zu kommen“ und zu entspannen. Gerade als junger Hund muss man diese Ruhephasen teilweise erzwingen. Das heißt nicht, dass der Hund eingesperrt werden muss, aber man sollte sich mit einer Tasse Kaffee oder Tee einfach mal ruhig hinsetzten. Als Alphatier ist man Vorbild für seinen Hund und dieser lernt viel durch zusehen. Ist man selbst ruhig wird auch der Aussie ruhig.
Damit sind wir beim Rudelführer. Sie müssen ein souveräner Rudelführer für ihren Hund sein, der konsequent Regeln aufstellt und Verstöße nicht duldet. Je gelassener sie diese Rolle ausfüllen, desto ruhiger wird ihr Hund und umso freudiger befolgt er ihre Anweisungen. Der Aussie folgt nicht blind seinem Herrchen oder Frauchen, sondern er muss vom Sinn der Anweisung an ihn überzeugt sein. Sie verwirren ihren Hund mit inkonsequentem Verhalten. Er kann nicht verstehen, warum er gestern in ihr Bett durfte, heute aber nicht. Aussies sind Meister im Ausnutzen von Lücken im System.

Vierbeiniges Alarmsystem
Der Aussie hat einen ausgeprägten Schutzinstinkt. Was bedeutet das? Er bewacht sein Rudel, im Haus und auch draußen, z.B. im Dunkeln. Er meldet Gefahren, etwa vor der Tür und schlägt an. Aussies bellen gern, aber nie grundlos. Es ist also ihre Aufgabe als Rudelführer, sich der gemeldeten Gefahr anzunehmen. Ist also jemand im Hausflur und ihr Aussie bellt, gehen Sie zur Tür und schauen nach, was da ist. Sie sehen nach - nicht ihr Hund. Dadurch signalisieren sie ihm: „super aufgepasst, ich übernehme jetzt“. Loben Sie Ihren Hund, auch wenn er sie aus dem Bett geholt hat. Dieses Ritual sorgt dafür, dass ihr Aussie die „normalen“ Geräusche von den „unnormalen“ Geräuschen unterscheiden lernt und nur noch die „unnormalen“ Geräusche meldet. So dürfen unsere Nachbarn mittlerweile auch nachts nach Hause kommen, ohne das Snickers anschlägt. Nur wenn Besucher nachts nach Hause gehen, schlägt er an – und das soll er auch.
Die gleiche Situation ergibt sich auch draußen, meist im Dunkeln. Der Hund meldet Gefahr voraus. Der Rudelführer übernimmt, bringt den Hund hinter sich und beindruckt den Hund durch souveränes Auftreten. Das hört sich jetzt leicht an, ist es in der Praxis nicht immer. Ich bin fast verzweifelt, als Snickers bei der Morgenrunde um 6:30 Uhr einen Passanten anbellte, den er an gleicher Stelle noch nie getroffen hatte. Das sind dann die Momente, in denen man sich ein Loch im Boden wünscht, in dem man sofort verschwinden kann. Bei Dunkelheit meldet Snickers immer noch jede Bewegung im Umfeld, Passanten auf dem Gehweg (auch in 200 m Entfernung), Tiere im Wald, Igel auf der Wiese usw. Ruhe und ein waches Auge haben uns geholfen diese Situationen zu entschärfen. Sehe ich „Gefahren“ zuerst, signalisiere ich dem Hund, ich hab alles gesehen, ich habe alles im Griff und es alles ist gut.

Der Aussie ist ein Hütehund. Er ist immer bestrebt, sein Rudel zusammen zu halten. Entfernt sich ein Rudelmitglied aus der Gruppe, ist er aufgeregt und versucht die Gruppe zusammen zu halten, oder zumindest zu beobachten, wo die Rudelmitglieder sich gerade aufhalten. Dieses Verhalten macht den Stadtbummel mit der Familie nicht unbedingt einfach. Es liegt wieder am Rudelführer, den Hund zu beruhigen und daran zu hindern, gleich hinter jedem Familienmitglied her zu rennen.  Deshalb gehört ein Hütehund nicht auf einen Stadtbummel. Aber es ergeben sich immer Situationen, bei denen der Hund mit in die Stadt muss, z.B. beim Tagesausflug oder im Urlaub. Unsere Erfahrung mit dem knapp einjährigen Snickers im völlig überlaufenen Poréc waren die blanke Hölle. Man wächst mit seinen Aufgaben…

Will to please
Der Aussie lernt permanent. Er erkennt Stimmungsschwankungen und hat eine Uhr verschluckt. Er weiß genau, wann es Zeit zum Gassi gehen ist, oder wann es Futter gibt. Er merkt aber auch, ob sie Kummer haben oder krank sind. Natürlich wartet er ungeduldig am Fenster, wenn es Zeit ist für Herrchen aus dem Büro nach Hause zu kommen.
Sind sie der souveräne Rudelführer hat der Aussie Gefallen daran, ihnen zu gefallen. Wenn wir mit Snickers auf dem Gelände der Hundeschule sind, schaltet er sofort in den Arbeitsmodus und versucht, das, was von ihm erwartet wird, auch zu liefern. Er kann manchmal ungeduldig werden, wenn er nicht arbeiten darf, weil andere Hunde an der Reihe sind oder es aus anderen Gründen nichts zu arbeiten gibt. In den Herbstferien waren wir einmal das einzige Mensch-Hund Paar im Training. Bei herrlichem Sonnenwetter haben wir einfach mit der Trainerin gequatscht, statt zu trainieren. Das hat Snickers erst mal nicht verstanden, Pause in der Hundeschule? Für ihn und für uns war das eine wichtige Erfahrung.
In Prüfungssituationen weiß er allerdings, dass es jetzt um etwas geht und verhält sich vorbildlich und ist hoch konzentriert bei der Arbeit. Auf der anderen Seite hat Snickers gelernt, zu Hause, wenn er nicht gebraucht wird, zu entspannen. Im Haus ist er ein völlig unkomplizierter Mitbewohner.

Der Aussie ist ein Spätzünder
Er wird erst spät erwachsen, mit etwa 3 Jahren. Es gibt immer wieder Phasen, in denen er in kindliche Verhaltensmuster zurückfällt, z.B. in die Leine beißen, an der Leine reißen etc. Bleiben Sie standhaft, auch die längste Pubertät ist irgendwann vorbei. Mit sanfter Konsequenz bleiben sie der souveräne Rudelführer. Wenn es manchmal wirklich nervt hilft Gewalt bei Aussies nicht wirklich. Dazu sind die Hunde viel zu sensibel. Bleiben sie standhaft, es lohnt sich. Snickers hatte sich in der Pubertät angewöhnt, uns anzubellen, sobald wir uns beim Gassigang mit anderen Hundebesitzern unterhalten haben. Einen Grund dafür haben wir nie wirklich herausgefunden. Versucht haben wir alles Mögliche: ignorieren, schimpfen, mit Wasser spritzen. Geholfen hat letztlich, den Hund anzuleinen, abzulegen und einen „wir warten“ Befehl zu geben. Ganz kurze Gehorsamsübungen an der Leine wie, 3 Schritte gehen – „Sitz“, 3 Schritte gehen –„Platz“, in kurzer Folge hintereinander mehrfach wiederholt, haben letztlich zum Erfolg geführt. Kein Hundetrainer und kein Hundeforum hat uns diesen Tipp liefern können. Versuch macht oftmals doch klug.

Der Aussie als Kuschelmonster
Zuneigung ist genauso wichtig wie sinnvolle Beschäftigung. Aussies wollen mit ihren Menschen eng zusammen leben. Er gehört allein aus diesem Grund nicht in einen Zwinger. Er sucht von sich aus die Nähe zu seinen Bezugspersonen und liebt ausgiebiges Kuscheln. Wichtig dabei ist mal wieder, dass die Aktion von ihnen ausgeht und beendet wird und nicht von ihrem Hund. Unsere Aussies schlafen mit uns im Schlafzimmer, nein nicht in unseren Betten, geistern allerdings nachts durch die ganze Wohnung. Ihre „Körbchen“ stehen im Wohnzimmer, wo sich abends das Rudel trifft. Der Aussie ist glücklich, wenn er überall dabei sein darf. Eine besondere Herausforderungen sind Heimwerkerarbeiten. Snickers muss immer ganz nah dabei sein, wenn der Werkzeugkasten ausgepackt wird. Und da ist ja auch immer was drin, was man dringend wegschleppen muss.
Hier zahlt sich der Apportierkurs aus. Das erbeutete Werkzeug wird brav wieder hergegeben…

Mehrhundehaltung

Als Devil bei uns eingezogen ist, war das für alle eine große Herausforderung. Snickers und Devil haben sich natürlich erst einmal auf neutralem Gelände kennen gelernt. Das lief gar nicht so schlecht. Als dann Devil mit in die Wohnung kam, sah die Sache ganz anders aus. Devil durfte nichts, Snickers hat sofort klar gemacht: "Ich bin der Boss und du gibst Frieden". Das war am zweiten Tag so schlimm, dass wir unsere Hundetrainerin zu uns eingeladen haben. Snickers musst dann lernen, dass der kleine Kerl auch zum Rudel gehört und sich auch bewegen darf. Im Laufe der Zeit hat Snickers dann gelernt, dass der kleine Kerl nicht mehr geht. Nach ein paar Wochen wurden die beiden dann ein Herz und eine Seele. Heute sind sie fast nur noch als Duo unterwegs.

Auch mit Sachverstand kann es Probleme geben

Nach unserem Umzug in unser Haus entwickelte Devil ein übermäßiges Teretorialverhalten. Das ging so weit, dass niemand mehr zu Besuch kommen durfte, ohne das Devil mit der Schleppleine an die Heizung gekettet war. Hilfe bekamen wir wieder von unseren Trainern. Devil wurde antrainiert, beim Klingelsignal in seinen Korb zu gehen. Er bekommt das "Bleib" Kommando und darf erst wieder aufstehen, wenn das Kommando aufgehoben wird. Nach ein paar Übungen funktioniert das heute schon fast automatisch. Er bleibt entspannt im Korb, solange Gäste oder Handwerker in der Wohnung sind. Anschließend gibt es großes Lob und viele Leckerchen.

Snickers hat nach wie vor Schwierigkeiten, ohne Zug an der Leine zu gehen. Es muß bei jedem Spaziergang neu durchgesetzt werden, dass er an lockerer Leine neben uns läuft und nicht vorrauseilt. Dafür haben wir einen neuen Begriff erfunden, Snickers ist beratungsrenitent.

Fazit
Der Aussie ist ein wunderbarer Begleiter.
Er kann lernen, ein kinderlieber und ein toller Familienhund zu sein. Es ist ihm nicht angeboren. Er jagt nicht, ist aber immer auf der Suche nach Tieren, die er hüten kann. Snickers und Devil lassen sich z.B. von einer Gruppe Rehe oder einem Kaninchen abrufen, sie laufen aber erst einmal hinterher. Die Erziehung erfordert Zeit und ausdauerndes Training. Auch hier gilt – von nix kommt nix. Der Aussie ist leicht zu erziehen, wenn sie konsequent sind, aber wir machen alle Fehler – und der Aussie nutzt diese sofort aus. Der Aussie ist kein „Bordercollie light“. Er führt ihre Befehle schnell und zuverlässig aus, wenn er deren Sinn versteht. Er trifft aber genauso zielsicher eigene Entscheidungen. Der Aussie passt auf sein Rudel auf. Sie können ohne Angst im Dunkeln in den Wald gehen. Es wird sie niemand überraschen. Das Verständnis ihrer Nachbarn für dieses Verhalten am Sonntagmorgen um 7 Uhr, hält sich aber sicherlich in Grenzen.
Für uns ist der Aussie der ideale Begleiter…

Ganz zum Schluss
Eine große Hilfe beim Leinentraining war die Verwendung eines Brustgeschirrs. Der Unterschied zum Halsband war wie Tag und Nacht.
Was kommt in den Napf? Wir barfen unsere Hunde. Snickers bekam im ersten Jahr Platinum und Orijen Trockenfutter, hatte aber immer mal wieder Probleme mit Durchfällen. Seit der Futterumstellung auf Barf gibt es keine Probleme mehr. Die Trockenfutterreste geben wir nun als Leckerchen.